| Notizen |
- Zitat aus einem Bericht des Burgenverein Untervaz über die Mötteli von Rappenstein:
http://download.burgenverein-untervaz.ch/downloads/dorfgeschichte/1964-Die%20M%C3%B6tteli%20vom%20Rappenstein%20in%20Goldach.pdf
"Der Bruder des Hans Mötteli, Rudolf der Ältere genannt, folgte zunächst dem Vorbild des Vaters. Mit seinem Halbbruder Lütfried betrieb er in grossartigem Masstab den Leinwandhandel nach Spanien, als Gegenfracht führte er Safran und Pfeffer nach Deutschland zurück. In Avignon, Barcelona und Saragossa besassen sie eigene Häuser, in Valencia und Granada führten sie Niederlassungen. Die Geschäfte brachten Rudolf unermessliche Gewinne ein, so dass er für den reichsten Mann in den eidgenössischen Landen gehalten wurde, und in ganz Schwaben konnte ihm kaum einer den Rang ablaufen. Da überkam auch ihn das Verlangen, dem alteingesessene Adel des Landes beigezählt zu werden. Um 1458 überliess er das Handelsgeschäft seinem Bruder Lütfried, trat ins Burgrecht der Stadt Zürich und kaufte den heruntergekommenen Edelsitz Alt-Regensberg. Schloss und Park wurden von Grund auf erneuert. Es kam jedoch bald zu gespannten Beziehungen zum Rat von Zürich wegen trüber Machenschaften. Wie Rudolf 1463 Bürger von Luzern und 1465 gar Landmann Von Unterwalden wurde, entzog ihm der Rat von Zürich das Burgrecht. Der verärgerte Herr liess sich darauf in Stein am Rhein nieder, geriet aber bald mit den neuen Mitbürgern in so bittere Fehde, dass die Tagsatzung einschreiten musste.
Der Möttelihandel
Im Jahre 1475 liess sich der ruhelose Mann in der freien Reichsstadt Lindau nieder. Friede und wahres Glück mieden auch jetzt die Schwelle seines Hauses. Mit dem Freiherrn von Sax, dem Gatten seiner Tochter Ursula, stritt er sich wegen der Mitgift herum, sein Bruder Lütfried hatte schwere Einbussen erlitten, 1481 kam er zum Sterben, ein böser Erbstreit vergiftete das Andenken an seinen treuen Teilhaber im Spaniengeschäft. Dann brach das Schwerste über den alten Mann herein: Auf Befehl des Kaisers Friedrich wurden Rudolf und sein Sohn Jakob in Lindau in den Turm geworfen. Als Grund der Verhaftung geben spätere, nicht ganz zuverlässige Quellen nicht bloss argen Wucher, sondern auch Misshandlung an: Jakob habe nämlich eine Magd oder sogar seine leibliche Schwester wegen Entnahme einer bedeutenden Geldsumme gefoltert und zu Tode gequält. Der Fall erregte ungeheures Aufsehen und hat als «Möttelihandel» seinen Platz in der Schweizer Geschichte gefunden. Unterwalden nahm sich seines Landsmannes an. Daraufhin verlangte die Tagsatzung drohend die sofortige Freilassung der Gefangenen. Freischaren rotteten sich zusammen, um die beiden Mötteli mit Gewalt zu befreien. Die Reichsstadt verfügte darauf die Aufhebung der Haft, beschlagnahmte aber ihr Vermögen. Gleich darauf starb hochbetagt Rudolf der Ältere. Der Prozess lief weiter. Die Reichsstadt Lindau, der geldbedürftige Kaiser Friedrich, die adeligen Kriegsgesellen aus Süddeutschland, eidgenössische Freischaren aus Unterwalden und Zürich, offene und versteckte Helfer waren darauf aus, den gefangenen Goldvogel recht gründlich zu rupfen. Das Recht war allenthalben ohnmächtig geworden. Die Unterwaldner behielten wider alles Völkerrecht eine Gesandtschaft der Lindauer Bürgerschaft zurück, einige verwegene Parteigänger des gefangenen Mötteli machten einen Anschlag auf den Kaiser, irrten sich aber und erwischten bloss den reichgekleideten Diener, in Lindau gingen die tollsten Gerüchte um: Die Unterwaldner hätten Mordgesellen ausgesandt, die Stadt einzuäschern, und Giftmischer, die Brunnen zu vergiften. Tatsächlich rüstete Unterwalden zu einem kriegerischen Unternehmen. Im Hintergrund, kaum erkennbar, taucht als grosser Macher all dieser Veranstaltungen der gewaltige Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann auf, der in seiner ihm eigenen skrupellosen Weise den Möttelihandel finanziell ausgebeutet zu haben scheint.
Schliesslich kam unter Vermittlung des Herzogs von Österreich eine vorläufige Einigung zustande: Jakob Mötteli wurde gegen Hinterlage von 15'000 Gulden nach 3½ Jahren Haft freigelassen. Von dieser Summe erhielt der Kaiser 4'000 Gulden, Lindau 6'000 Gulden. Der so hart hergenommene Krösus musste noch seine Freunde entlöhnen, vor allem Hans Waldmann und die beiden Unterwalden. Dann fiel der Möttelihandel aus Abschied und Traktanden. Die Spannung zwischen den Eidgenossen und dem Reich hatte einen Graben aufgerissen, der nie mehr geschlossen wurde. Man stand im Vorfeld des Schwabenkrieges. Trotz den ungeheuren Auslagen blieb Jakob Mötteli «der reiche Mötteli».
Zwei Jahre später brachte ihm das Erbe des Lütfried einen bedeutenden Vermögenszuwachs. Nun kaufte er die Herrschaft Pfyn und wurde Mitbesitzer der Herrschaft Bürglen. Im Jahre 1508 kaufte er von seinem Vetter Rudolf das Schloss Sulzberg und Jahre später von seinen Verwandten, den Herren Hohenlandenberg, das Schloss und die Herrschaft Wellenberg im Thurgau.
Dann starb er, hochbetagt im Jahre 1521.
Mit ihm stieg eine der beachtenswertesten Persönlichkeiten seines Geschlechtes und des Bodenseeraumes in das Grab. Die Chararaktereigenschaften der Mötteli: unbegrenzter Egoismus, unsinnige Prozesswut - fast alle seine Ankäufe hatten ein längeres prozessualisches Nachspiel Zur Folge gehabt -, Hochmut und Eitelkeit des adeligen Emporkömmlings, waren bei ihm in ausgeprägtem Masse vereinigt.
- https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Neuburg_(Untervaz)
Burg Neuburg (Untervaz)
Die Burg Neuburg ist die Ruine einer Höhenburg auf 600 m ü. M. südwestlich von Untervaz im schweizerischen Kanton Graubünden in der Schweiz. Sie liegt auf der linken Seite des Rheins circa 50 Meter über der Talsohle auf einem steilen Felskopf.
Im Mittelalter führte die Hauptverkehrsstrasse den Dörfern auf der rechten Seite des Rheins. Darum waren mit dem Besitz der Burg keine Zollrechte verbunden. Heute ist die Ruine zu Fuss über eine schmale Strasse (Fahrverbot) problemlos zugänglich.
Geschichte
Die Burganlage gehört als monumentaler Bau mit stattlichem Innenausbau in die Spätzeit des Burgenbaus in Rätien. Offen ist, ob die Burg anstelle eines älteren, verschwundenen Gebäudes errichtet worden ist.
Die Neuburg wurde vermutlich um 1300 durch die Familie Thumb von Neuburg erbaut. Deren Stammsitz war die gleichnamige Neuburg (Kobach) in Vorarlberg. Wann die Thumbs erstmals in der Region von Chur erschienen sind, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich liessen sie sich im frühen 13. Jahrhundert in Untervaz nieder und bauten dort die Burg Rappenstein. Friedrich II. Thumb von Neuburg (verstorben nach 1312) und sein Bruder Schwicker II. besassen die Neuburg bei Untervaz. Zwei Nachkommen der Ritter Thumb v. Neuburg-Untervaz wurden um 1408/09 im Dom zu Chur beigesetzt.
Urkundlich wird die Neuburg 1345 erstmals erwähnt. Dabei ging es um einen Vertrag zwischen den beiden Brüdern Siegfried und Johann Thumb und dem Bischof von Chur. Siegfried und Johann traten für drei Jahre in die Dienste des Bischofs und mussten ihm die Burg offen halten: „… unser gemainer vesti diu haisset die Nüwburg.“ 1360 ging die Burg pfandweise an die Gebrüder Heinz und Martin Buwix über, die mit Österreich einen Dienstvertrag abgeschlossen hatten und versprachen, mit zwei Helmen und den Festungen Neu-Aspermont, Flums und Neuburg ein Jahr zu dienen.
Ab 1385 waren die Thumb von Neuburg wieder Besitzer der Burg. 1396 beklagt sich Freiherr Ulrich Brun von Rhäzüns, dass ihm „Frik Tumb Ems sin vich ze Emptz genomen und das zu der Nüwenburg getriben hab“. Um 1400 trat Johann von Neuburg in die Lehnshoheit des Bischofs von Chur ein, was ihn politisch vom Bischofssitz abhängig machte.
1450 gelangte die Herrschaft an die Ravensburger Kaufmannsfamilie Mötteli von Rappenstein, in deren Besitz sich auch die Burg Rappenstein befand. 1496 verkaufte Mötteli die Burg samt Herrschaft für 2150 Gulden an Bischof Ortlieb von Chur, der Hans Lendy als Vogt auf der Neuburg einsetzte.
Als am 11. November 1577 der Bischof und das Domkapitel sie mitsamt den Herrschaftsrechten für 6000 Gulden der Gemeinde Untervaz verkauften, war die Neuburg bereits Ruine. Sie muss also im Verlauf des 16. Jahrhunderts verlassen worden sein.
Anlage
Die Anlage besteht aus einem grossen wehrhaften Palas und einer nur noch in Resten erhaltenen Ringmauer auf der West- und Nordseite. Diese umschloss einen Hof mit einer Zisterne. Das Burgtor lag auf der Westseite. Der noch gut erhaltene Palas gehört zu den grössten seiner Art in Rätien.
Die Neuburg fällt durch ihre aussergewöhnliche Grösse auf; der viergeschossige Palas bildet im Grundriss ein Rechteck von 12 auf 29 Metern. Die Mauerstärke beträgt unten gegen 1,5 Meter und nimmt gegen oben ab. Im Innern trennen zwei Mauern den Baukörper in drei annähernd gleiche Teile. Bergseitig führt ein circa zwei Meter hoch gelegener Eingang in den mittleren Teil der Burg.
Die untersten drei Räume waren nicht durch Türen miteinander verbunden, sondern von oben durch gesonderte Holztreppen oder Stiegen. Angesichts der spärlichen Fensterscharten dürften diese Räume vorwiegend als Lagerräume gedient haben, eventuell auch zeitweise als Gefängnis.
Die oberen drei Geschosse sind ungleich ausgebaut. Sitznischen und ein Aborterker weisen im nördlichen Teil darauf hin, dass er bewohnt gewesen sein muss. Ein fehlender Wandverputz lässt sich durch ein mittlerweile verschwundenes Holzgetäfer erklären. Im Mittelteil wird die Küche durch zwei nach aussen führende Schüttsteine angedeutet. Auf der Südseite lag eine Stube mit Ofenheizung. Eine Fensternische enthält Ritzzeichnungen aus dem Mittelalter; erkennbar sind bewaffnete Reiter und verschiedene Tiere. Die Zeichnungen wurden 1984 anlässlich von Sicherungsarbeiten im Auftrag des schweizerischen Burgenvereins entdeckt. Die Türen an der Aussenwand dürften entweder zu Aborterkern oder auf einen hölzernen Laubengang geführt haben.
Kaum vorhandene Trümmer um den Bau herum lassen darauf schliessen, dass das Mauerwerk des Turmes bis zur ursprünglichen Höhe erhalten geblieben ist. Als Dachkonstruktion kommt am ehesten ein Satteldach über der Längsachse in Frage.
Die Räume sind mit metallenen Leitern miteinander verbunden. Der westlichste der drei Räume im Palas ist mit Schutt aufgefüllt.
Literatur
Otto P. Clavadetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Orell Füssli, Zürich 1984, ISBN 3-280-01319-4.
Werner Meyer: Burgen der Schweiz. Band 3. Silva Verlag, Zürich 1983.
Emil Stauber: Die Herren Thumb von Neuburg (1540–1621). In: Geschichte der Herrschaften und der Gemeinde Mammern. Frauenfeld 1934, S. 69 ff.
Weblinks
Commons: Burg Neuburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Burgruine Neuburg auf www.graubuendenkultur.ch.
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