Teilen Drucken Lesezeichen hinzufügen
König Sven I. von Dänemark, Gabelbart

König Sven I. von Dänemark, Gabelbart

männlich 965 - 1014  (49 Jahre)

Generationen:      Standard    |    Vertikal    |    Kompakt    |    Rahmen    |    Nur Text    |    Ahnenliste    |    Fächer-Diagramm    |    Medien

Generation: 1

  1. 1.  König Sven I. von Dänemark, Gabelbart König Sven I. von Dänemark, Gabelbart wurde geboren in cir 965 (Sohn von Harald I. von Dänemark, Blauzahn und Tove von Mecklenburg); gestorben am 3 Feb 1014 in Gainsborough, England; wurde beigesetzt in Dom Roskilde.

    Anderer Ereignisse und Attribute:

    • Titel (genauer): König von Dänemark (ab 986), König von England (ab 1013)

    Notizen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Gabelbart

    Sven I. „Gabelbart“ (dänisch Svend Tveskæg; manchmal auch Sven Haraldsson; * um 965; † 3. Februar 1014 in Gainsborough) war ab 986 König von Dänemark und wurde 1013 zum König von England erklärt.

    Leben
    Sven I. soll seinen getauften Vater Harald I. Blauzahn in einem Aufstand im Jahre 986 vom Thron von Dänemark vertrieben haben, da Harald Sven nicht bei der Thronfolge berücksichtigen wollte. Angesichts der tendenziösen Berichte in den Quellen isst dies ungesichert.[1] Harald starb nach einem was die Länge angeht unklaren Aufenthalt im Exil 987 in der Jomsburg oder Vineta (Wolin, Julin, Jumne) im späteren Pommern. Nach einer kurzen schwedischen Invasion 991 unter König Erik Segersäll, in deren Folge er wahrscheinlich erst nach Zahlung eines Lösegeldes freikam, gelangte Sven wieder auf den dänischen Thron. Er führte das Heidentum wieder ein und vertrieb den christlichen Klerus. 994 war er zusammen mit Olav Tryggvason Führer eines Wikingerangriffs auf London. Er verwüstete dabei große Teile Südostenglands und erhielt zur Beendigung seiner Plünderungen im folgenden Jahr ein Danegeld von 16.000 Pfund Silber. Norwegen war nach der Schlacht bei Hjørungavåg 986 wieder eigenständig geworden und Olav Tryggvason wurde dort König. Er nahm an der Schlacht vor der Insel Svold am 9. September 1000 auf der wendischen Seite gegen Dänemark teil und starb in dieser Schlacht. Sven I. herrschte nunmehr über Norwegen mittels zweier Jarle.
    Nach der Teilnahme an einigen von Norwegen geleiteten Raubzügen in den Jahren 994–995 führte Sven einige groß angelegte Invasionen gegen England durch (1003–1005, 1006–1007, 1009–1012 und 1013) in denen er das Danegeld eintrieb. Zuvor hatte deder englische König Æthelred II. das St. Brice’s Day Massaker befohlen, in dem am 13. November 1002 alle dänischen Bewohner Englands getötet werden sollten, wobei auch Gabelbarts Schwester Gunhilde ums Leben kam. Im Jahr 1013 gelang Gabelbart die Eroberung Englands, er vertrieb Æthelred II. in die Normandie. Am 25. Dezember 1013 wurde er zum König von England erklärt und er war bis zu seinem Tode der tatsächliche Herrscher in England.
    Sven Gabelbart starb am 3. Februar 1014 in Gainsborough in der Grafschaft Lincolnshire, das er zu seiner Hauptstadt gemacht hatte, kurz vor seiner geplanten Krönung. Sven Gabelbart war mit einer Regierungszeit von 40 Tagen der englische König mit der kürzesten Regierungszeit.[2] Sein Leichnam wurde nach Dänemark überführt und in der Kathedrale von Roskilde bestattet. Nach der Biographie eines flandrischen Mönches König Knuts Taten oder eine Preisschrift für Königin Emma wurde er „in deer Kirche bestattet, die dieser König zu Ehren der Dreifaltigkeit hatte aufführen lassen, in dem Grab, das er sich eingerichtet hatte.“ Das wäre dann in Lund gewesen, dessen älteste Kirche von Sven aus Holz als Dreifaltigkeitskirche gebaut worden war. Bei den Ausgrabungen wurde unter dem Boden dieser Kirche eine grabförmige Grube gefunden. An solcher Stelle pflegten nur die Erbauer einer Kirche begraben zu werden, so dass es durchaus möglich ist, dass er zunächst dort begraben wurde.[3]
    Nachfolger als König von Dänemark war zunächst sein ältester Sohn Harald II. Nach dessen Tod 1018 herrschte sein zweiter Sohn Knut der Große über ein Nordseereich, das neben Dänemark und Schleswig auch England und Norwegen umfasste.

    Ehefrauen und Kinder
    Nach Steenstrup war er erst mit Gunnhild, Tochter des Wendenkönigs (Gesamtherrschers der Abodriten) Mstislaw,[4] verheiratet, dann mit Sigrid Storråda, Sigrid der Stolzen.[5] Von anderer Quelle wird Świętosława von Polen wird als Ehefrau genannt, sie dürfte mit Sigrid der Stolzen identisch gewesen sein.
    Kinder:
    • Harald II.
    • Knut der Große
    • Estrid
    1 ∞ Richard II., Herzog der Normandie, † 1027, verstoßen (Rolloniden)
    2 ∞ Ulf Jarl, † 1026 - die Eltern von Sven Estridsson (Haus Estridsson)
    • Santslaue
    • eine weitere Tochter



    Siehe auch[
    • Stammtafel der dänischen Könige
    • Stammtafel englischer Könige
    Quellen
    • Thietmar von Merseburg: Chronik (= Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. 9), Neu übertragen und erläutert von Werner Trillmich, Darmstadt 1957; Textstelle VII. 36.
    Literatur
    • Martin Kaufhold: Europas Norden im Mittelalter. Die Integration Skandinaviens in das christliche Europa. Primus, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-418-8.
    • Lutz Mohr: Drachenschiffe in der Pommernbucht. Die Jomswikinger, ihre Jomsburg und der Gau Jom. Reihe: edition rostock maritim, hrsg. von Robert Rosentreter. Rostock: Ingo Koch Verlag 2013. ISBN 978-3-86436-069-5
    • Johannes C. H. R. Steenstrup: Artikel Svend Tveskjæg in: Dansk biografisk lexikon Bd. 17. Kopenhagen 1903, S. 1–3.
    • Fredrik Svanberg: Vikingatiden i Skåne. Lund 2000.
    Weblinks
     Commons: Sven Gabelbart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    Einzelnachweise
    1 M. Kaufhold: Europas Norden im Mittelalter: Die Integration Skandinaviens in das christliche Europa. S. 64.
    2 Sweyn Forkbeard: England's forgotten Viking king auf BBC News, 25. Dezember 2013, abgerufen am 27. Dezember 2013
    3 Fredrik Svanberg: Vikingatiden i Skåne. Lund 2000, S. 89.
    4 Steenstrup in Dansk Biografisk lexikon Bd. 6 S. 304: Erste Ehefrau Sven Gabelbarts.
    5 Steenstrup S. &03: Zweite Ehefrau von Sven Gabelbart.

    Begraben:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_zu_Roskilde

    Familie/Ehepartner: Prinzessin Świętosława (Gunnhild) von Polen, die Hochmütige . [Familienblatt] [Familientafel]

    Kinder:
    1. Knut von Dänemark, der Grosse wurde geboren in cir 995; gestorben am 12 Nov 1035 in Shaftesbury.
    2. Estrid Svendsdatter von Dänemark

Generation: 2

  1. 2.  Harald I. von Dänemark, Blauzahn Harald I. von Dänemark, Blauzahn wurde geboren in cir 910 in Königreich Dänemark (Sohn von König Gorm von Dänemark, der Alte und Königin Thyra von Dänemark, Danebod ); gestorben am 1 Nov 987 in Jomsburg oder Jumne.

    Anderer Ereignisse und Attribute:

    • Titel (genauer): cir 936/958 bis 987, Königreich Dänemark; König von Dänemark
    • Titel (genauer): 970 bis 987, Norwegen; König von Norwegen

    Notizen:

    Harald I. „Blauzahn“ Gormson (altnordisch Haraldr blátǫnn, dänisch Harald Blåtand

    * um 910 in Dänemark; † 1. November 987 in Jomsburg)[1] war König von Dänemark (ca. 936/958–987) und von Norwegen (970–987).

    Leben
    Harald war ein Sohn Gorms des Alten und dessen Frau Thyra Danebod. Nach dem Tod seines Vaters folgte Harald ihm als König nach. Der betreffende Zeitpunkt ist in der Forschung umstritten. Teilweise wird aufgrund von Quellenaussagen die Zeit um 936 angenommen, doch deuten dendrochronologische Untersuchungen einer Holzkammer in Gorms vermutetem Grab in Jelling auf 958 hin.[2]
    Harald fiel als Wikingerführer mehrmals in die Normandie ein, wo er 945 Richard den Furchtlosen unterstützte, indem er Ludwig IV. gefangen nahm und ihn zwang, Richards Herrschaft anzuerkennen. Harald erkannte 948 die Oberhoheit Ottos I. an und gründete die Bistümer Aarhus, Ripen und Schleswig, wodurch die Christianisierung Skandinaviens begann. 950 gründete er Jomsburg (auch bekannt unter Julin, Jumne, Wollin) im späteren Pommern.
    Harald ließ sich um 960 am Poppostein taufen. 974 fiel er nach dem Tod Ottos I. in Holstein ein.[3] In einem Gegenschlag Ottos II. verlor er Schleswig an den Kaiser.
    Harald verbündete sich mit den Söhnen des von Håkon dem Guten vertriebenen Erik Blodøks. Nach dem Tode Håkons des Guten besetzte er Süd-Norwegen und wurde König von Norwegen.[4] Unter seiner Herrschaft setzte er die Söhne von Erik Blodøks zu Jararlen ein, unter anderem Harald Gråfell. Diese töteten Sigurd Ladejarl, den ehemaligen Verbündeten von Håkon dem Guten. Damit begann die lange Feindschaft zwischen dem Geschlecht Harald Hårfagres und den Ladejarlen. Als sie aber zu selbstherrlich wurden, wechselte Harald Blauzahn die Partner und verbündete sich mit Håkon Sigurdsson, Sohn des ermordeten Sigurd Ladejarl, und dieser wurde sein Vasall. Im Jahre 983 eroberte Harald das 974 verlorene Schleswig zurück.
    Harald hatte Dänemark erstmals unter einer Krone geeint. Für diesen Einigungsprozeß nahm er als Christ die Hilfe der Kirche in Anspruch. Dadurch kam es zu Konflikten mit seinem Sohn Sven I. Gabelbart, der sich weiterhin als ein Wikinger sah. Eine auf der Ostsee geführte Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn, der legendären Seeschlacht von Helgenes um 986, wahrscheinlich bei Bornholm, endete zugunsten des Königssohnes Sven, da er von den Jomswikingern unterstützt wurde. Nach nordischen Quellen, so der Jómsvíkinga saga, Knýtlinga saga und Heimskringla, traf während einer nächtlichen Kampfpause an Land den König ein Pfeil aus dem Hinterhalt, der ihn schwer verwundete. Harald Blauzahn konnte mit Getreuen aus der Schlacht entkommen und sich am südlichen Teil der Ostseeküste im späteren Pommern retten. Allerheiligen 985 oder 986 starb er in Jomsburg oder Jumne.[5] Sein Sohn trat als König von Dänemark die Nachfolge an.[6] Haralds Leichnam wurde nach Adam von Bremen (II/25, S. 106f) nach Roskilde in die von ihm erbaute Kirche überführt.

    Beiname
    Die Herkunft des Namenszusatzes „Blauzahn“ oder „Schwarzzahn“ ist unklar und daher Gegenstand zahlreicher Spekulationen und Volksetymologien. Dass sich die Bezeichnung auf die Farbe der Zähne des Königs bezog, ist unwahrscheinlich. Nichtsdestoweniger verarbeitete der schwedische Schriftsteller Frans G. Bengtsson das Zahnmotiv in einem Kapitel seines Romans Die Abenteuer des Röde Orm.
    Der erste Bestandteil des Kompositums kann sicher auf die altnordische Farbbezeichnung blár zurückgeführt werden, die sowohl für „dunkelblau“ als auch für „schwarz“ bzw. „bleifarben“ steht.
    Unsicherheit besteht bezüglich des Bestandteils -tönn „Zahn“. Plausibel erscheint die Auffassung als sogenannte Heiti-Metapher für ein Schwert. Andere Historiker vermuten, dass er mit dem Wort þegn „Freisasse, Untertan; Dolch“ (vgl. englisch thane und chieftain) in Verbindung zu bringen ist.

    Liste der Ehefrauen und Kinder
    Ehefrauen:
    • Gunhild
    • Tove oder deren Mutter, Mistiwojs Witwe.
    • Gyrthe von Schweden (Gyrid)
    Kinder:
    • Hakon
    • Gunhild († 13. November 1002, Opfer des großen St. Brice’s Day Massaker in England)
    • Sven I. Gabelbart
    • Thyra


    Siehe auch
    • Stammtafel der dänischen Könige
    • Harald Blauzahns Goldscheibe
    Quellen
    • Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. Geschichte der Erzbischöfe von Hamburg. Reihe: Historiker des deutschen Altertums. Herausgegeben von Alexander Heine. Übersetzt von J.C.M. Laurent und W. Wattenbach. Phaidon Verlag, Essen/Stuttart 1986.
    Literatur
    • Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Beziehungen zwischen dem deutschen und dem dänischen Reich für die Zeit von 934 bis 1035. In: 850 Jahre St.-Petri-Dom zu Schleswig 1134–1984. (= Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirhengeschichte. Reihe I, Band 33). Schleswig 1984, ISBN 3-88242-086-3, S. 105–132.
    • Arnulf Krause: Welt der Wikinger. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-593-37783-4
    • Lutz Mohr: Die Jomswikinger – Mythos oder Wahrheit. Nordische Sagas zusammengestellt, kommentiert und herausgegeben. Edition Pommern, Elmenhorst 2009, ISBN 978-3-939680-03-1.
    • Lutz Mohr: Drachenschiffe in der Pommernbucht. Die Jomswikinger, ihre Jomsburg und der Gau Jom. Reihe: Edition Rostock maritim, hrsg. von Robert Rosentreter. Rostock: Ingo Koch Verlag 2013. ISBN 978-3-86436-069-5
    • Birgit Sawyer, Peter Sawyer: Die Welt der Wikinger. Die Deutschen und das europäische Mittelalter. Übersetzt aus dem Englischen von Thomas Bertram. Siedler, Berlin 2002, ISBN 978-3-88680-641-6
    Weblinks
     Commons: Harald Blåtand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    • Treffpunkt-Howaldt – Runensteine in Jelling (DK)
    • Fontanes Gedicht „Gorm Grymme“
    Einzelnachweise
    1 Lexikon des Mittelalters, Band 4, Sp. 1929.
    2 Knut Helle (Hrsg.): The Cambridge History of Scandinavia. Band 1. Cambridge 2003, S. 174. Für 936 etwa Lexikon des Mittelalters, Band 4, Sp. 1561.
    3 Edith Marhold: Haithabu in der altisländischen Literatur In: Klaus Düwel, Edith Marold, Christiane Zimmermann (Hrsg.): Von Thorsberg nach Schleswig. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsband 25). de Gruyter, 2001, ISBN 3-1-016978-9. S. 85. A. Krause: Haraldr Blátönn. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 13. de Gruyter 1999 ISBN 3-11-016315-2 S. 639.
    4 Palle Lauring: Geschichte Dänemarks. Wachholtz, Neumünster 1964, S. 47f.
    5 Palle Lauring: Geschichte Dänemarks. Wachholtz, Neumünster 1964, S. 48.
    6 Robert Bohn: Dänische Geschichte. Beck, München 2010, S. 10f.
    7 Bluetooth: Fact or Fiction www.bluetooth.com

    Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Blauzahn

    Name:
    Der Funkstandard Bluetooth, welcher in modernen Mobiltelefonen weit verbreitet ist, wurde nach Harald Blauzahn benannt. Das Logo zeigt die Initialen HB in Form eines Monogramms der Runen Hagalaz und Berkano

    Begraben:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_zu_Roskilde

    Harald + Tove von Mecklenburg. Tove (Tochter von Mistiwoj von Mecklenburg) gestorben in nach 980. [Familienblatt] [Familientafel]


  2. 3.  Tove von MecklenburgTove von Mecklenburg (Tochter von Mistiwoj von Mecklenburg); gestorben in nach 980.

    Notizen:

    Ich habe noch nicht herausgefunden welche der drei Ehefrauen von Harald Blauzahn wirklich die Mutter von König Sven I. Gabelbart war.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tove_(Mecklenburg)

    Tove (* 10. Jahrhundert; † nach 980) war eine abodritische Prinzessin aus dem Geschlecht der Nakoniden und Gemahlin des dänischen Königs Harald Blauzahn.
    Tove, altnordisch Tofa von Dove (Taube), war die Tochter des abodritischen Samtherrschers Mistiwoj, der von 965/967 bis 990/995 von der Mecklenburg aus über den abodritischen Stammesverband herrschte, dessen Teilstämme entlang der südlichen Ostseeküste vom heutigen Kiel bis nach Rostock siedelten. Tove hatte eine Schwester Hodica und einen Bruder Mistislaw.
    Toves Vater Mistiwoj betrieb zur Sicherung seiner politischen Beziehungen eine dynastische Heiratspolitik. Wohl aus diesem Antrieb verheiratete er seine Tochter mit dem dänischen König Harald Blauzahn, gegen den er immerhin noch 974 an der Seite des deutschen Kaisers Otto II. in die Schlacht am Danewerk gezogen war. Unklar ist, ob Tove ihren nordischen Namen bereits als Geburtsnamen, etwa als Tochter einer dänischen Ehefrau Mistivojs, oder erst in Dänemark erhalten hat. Kinder Toves sind nicht überliefert.
    Um 980 ließ Tove zu Ehren ihrer Mutter den Runenstein von Sønder Vissing errichten. Dessen Inschrift lautet
    Tofa let gœrwa kumbl, Mistiwis dottiR, oft mopur sina, Haralds hins gopa, Gorms sonar kona.
    Herkömmlich wird diese Inschrift gelesen „Tofa ließ das Denkmal machen, die Tochter Mistivojs, / zum Gedenken an ihre Mutter, / Haralds des Guten, / Gormssohns Frau.“ Nach einer neueren Interpretation der Inschrift soll die Inschrift zu lesen sein: „Tove, die Tochter Mistives, ließ diesen Stein für ihre Mutter setzen, Ehefrau Harald des Guten, Gorms Sohn.“[1] Demnach wäre nicht Tove, sondern deren Mutter die Ehefrau Harald Blauzahns gewesen. Dann müsste Harald Mistiwoj überlebt und dessen Witwe geheiratet haben, womit er Toves Stiefvater wurde. Tove soll mit der Inschrift Ansprüche auf eine ehrenhafte Stellung sowohl bei den Abodriten als auch bei den Dänen erhoben und Erbschaften nach beiden Elternteilen geltend gemacht haben.



    Literatur
    • Christian Lübke: Die Beziehungen zwischen Elb- und Ostseeslawen und Dänen vom 9. bis zum 12.Jahrhundert : eine andere Option elbslawischer Geschichte ? in: Ole Harck, Christian Lübke (Hrsg.): Zwischen Reric und Bornhöved. Steiner, Stuttgart 201, S. 23-36. (Übersicht zu den dänisch-abodritischen Beziehungen.)
    Anmerkungen[
    1 Birgit and Peter Sawyer: A Gormless History ? The jelling dynastie reviseted. in: Wilhelm Heizmann, Astrid van Nahl (Hrsg.): Runica - Germanica - Mediaevalia. DeGruyter, Berlin, New York 2003, S. 689-706, hier S. 702.

    Kinder:
    1. 1. König Sven I. von Dänemark, Gabelbart wurde geboren in cir 965; gestorben am 3 Feb 1014 in Gainsborough, England; wurde beigesetzt in Dom Roskilde.


Generation: 3

  1. 4.  König Gorm von Dänemark, der Alte König Gorm von Dänemark, der Alte wurde geboren in vor 900; gestorben in ca 936/958.

    Notizen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gorm

    Gorm der Alte, dänisch Gorm den Gamle, (* vor 900; † ca. 936/958) war ein dänischer Anführer, der vielfach als erster König Dänemarks angesehen wird. Die beiden Grabhügel in Jelling sind nach ihm und seiner Frau Thyra benannt. Sein Beiname „der Alte“ ist auf das hohe Alter, das er erreicht haben soll, zurückzuführen.

    Erwähnung in den Quellen
    Die Quellenlage ist für die Zeit um 900 für Dänemark, insbesondere die Gebiete, die von der dänischen Grenze entfernt liegen, äußerst dürftig.[1]
    „Post Olaph … Sueonum principem, qui regnavit in Dania cum filiis suis, ponitur in locum eius Sigerich. Cumque parvo tempore regnasset, eum Hardegon, filius Suein, veniens a Nortmannia privavit regno.“
    „Nach dem Schwedenjarl Olaf, der mit seinen Söhnen in Dänemark herrschte, nahm Sigtrygg seinen Platz ein. Aber schon nach kurzer Zeit beraubte ihn der aus dem Normannenlande kommende Hardeknut Svensson seiner Herrschaft.“
    – Adam von Bremen I, 52.
    „Abud Danos eo tempore Hardecnudth Vurm [Zusatz in Handschriften B und C: filius Hardewigh] regnavit …“
    „Damals herrschte Hardeknut Vurm [Sohn des Hardewigh] über die Dänen …“
    – Adam von Bremen I, 55.
    Auf den Jellingsteinen steht
    „König Gorm errichtete dieses Denkmal für Thyra seine Frau, die Zierde Dänemarks.“
    und
    König Harald befahl diesen Stein zu errichten, zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und an Thyra, seine Mutter. Der Harald, der (dem) sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und die Dänen zu Christen machte.
    Außerdem ist der Runenstein "Haddeby 4" in Gottorp zu erwähnen:
    „Ásfríðr gerði kuml þessi, dóttir Óðinkárs, ept Sigtrygg konung, son sinn ok Gnúpu. Gormr reist rúnar.“
    „Asfrid, Odinkars Tochter, errichtete diesen Stein für König Sigtrygg, ihren und Gnupas Sohn. Gorm ritzte die Runen.“
    – Birkmann S. 359

    Gorm in der Forschung
    Nach Adams Bericht wurde Sigtrygg von Hargedon, Svens Sohn, vom Thron verdrängt. Der ungewöhnliche Name „Hargedon“ wird in der Regel als eine Fehlschreibung für „Hardecnudth“ angesehen, ein Name, den Adam für den Stammvater des Gorm-Geschlechtes verwendet. Es wird dabei erwogen, dass Hardecnudth und Gorm nicht Vater und Sohn, sondern aufgrund des Zusatzes „Vurm“ = „Gorm“ die gleiche Person seien.[2] Dafür spreche die Zusammenziehung der Namen zu „Hardecnudth Vurm“, wobei „Vurm“ für „Gorm“ stehe, und die Tatsache, dass Erzbischof Unni von Bremen 936 Gorm bereits als Herrscher vorfand.
    Nach Sven Estridsson stammte das Geschlecht Gorms aus „Northmannia“, womit Adam selten die Normandie, in der Regel aber Norwegen meint. Die Herkunft des Geschlechts aus Norwegen wird nicht für unwahrscheinlich gehalten, denn manche Leitnamen deer Königsreihe treten auch in der Familie Harald Schönhaars auf.[3] Möglich ist aber auch, dass es sich um einen Seitenzweig des dänischen Königshauses handelt, der nach Gewinn großer Beute auf Wikingerzügen den heimischen Thron zurückerobert.[4] Auch ist es möglich, dass das Geschlecht Gorms bereits seit längerer Zeit in einem Machtzentrum im nördlichen Jütland, etwa in der Nähe von Vejle, wo auch die Jelling-Steine stehen, bestand.
    Doch der Übergang von der Dynastie Olafs zur Jellingdynastie ist unsicher, insbesondere, wie das Verhältnis zwischen Gorm dem Alten aus den dänischen Quellen und Hardegon bei Adam von Bremen ist. Da liegt eine Lücke vor, die auf den Gewährsmannn Sven Estridsen zurückzugehen scheint, denn dieser wird für die Zeit zwischen Hardegon und den letzten Jahren von Harald Blauzahn, dem Sohn Gorms, nicht mehr herangezogen.[5] Diese Lücke kann auch nicht mit der Olaf Tryggvasons saga aus dem 1414. Jahrhundert, wo die vielen Siege Gorms über die dänischen Kleinkönige und Häuptlinge geschildert werden, gefüllt werden, da diese als Quelle zu unzuverlässig ist. Der Historiker Johannes Steenstrup hielt „Hardegon“ für eine Fehlschreibung vovon „Hardecnudth“, so dass Hardegon mit Gorm identisch sei.[6] Curt Weibull entnahm den Handschriften B und C der Kirchengeschichte Adams den Zusatz „filius Hardewigh“, den er für eine Fehlschreibung für „filius Hardecnudth“ hielt, dass hier eine weitere Generation der Jellingdynastie eingeschoben worden sei. Dort, wo B und C „filius“ stehen haben, hat die Handschrift A eine Lakune.[7]
    Aber auch Adams Schilderung, Hardegon/Hardecnudth Vurm/Gorm habe Sigtryg verdrängt, ist unsicher. Denn nach der Sachsenchronik Widukinds war es König Heinrich I., der die Dänen 934 besiegte und deren König Chnuba zur Taufe zwang. Wenn Chnuba 9334 noch lebte, müsste Sigtrygg unmittelbar danach König geworden und dann alsbald von Gorm besiegt worden sein, denn Bischof Unni fand Hardecnudth Vurm/Gorm 936 auf dem dänischen Thron vor. Aber Widukind hat seinerseits seine Angaben den Corveyeyer Annalen entnommen. Dort wird der Feldzug Heinrichs erwähnt, aber nicht der Name des dänischen Königs. Es ist also möglich, dass Widukind den Namen „Chnuba“ zufällig, vielleicht von einem Runenstein übernommen hat.[8] Im Ergebnis bleibt offen, wann und unter welchen Umständen die Dynastie Olafs von der Jellingdynastie abgelöst worden ist und auch, ob die Jellingdynastie wirklich über ganz Dänemark geherrscht hat. Wenn nach Adam Sven Estridsen auch davon überzeugt war, so ist nicht auszuschließen, dass in Teilen des Landes noch andere Häuptlinge herrschten.
    Zweifelhaft ist, ob Gorm die Oberhoheit des deutschen Königs, die Chnuba hatte einräumen müssen, weiterhin anerkannt hat. Denn der bei Adam überlieferte Sieg Heinrichs I. über Gorm ist nicht historisch. Heinrich hat in seinem letzten Lebensjahr keinen zweiten Feldzug gegen Dänemark unternommen.[9]



    Siehe auch
    • Stammtafel der dänischen Könige
    Literatur
    • Adam von Bremen: Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. Übersetzt von Werner Trillmich. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe. (= Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Band 11). Darmstadt 1978, ISBN 3-534-00602-X,. 137–499.
    • Thomas Birkmann: Von Ågedal bis Malt. Die skandinavischen Runeninschriften vom Ende des 5. bis Ende des 9. Jahrhunderts. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Ergänzungsband 12). de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014510-3.
    • Sture Bolin: Danmark och Tyskland under Harald Gormsson. In: Scandia. Band IV (1931), S. 184–209.
    • Erich Hoffmann: Beiträge zur Geschichte der Beziehungen zwischen dem deutschen und dem dänischen Reich für die Zeit von 934 bis 1035. In: 850 Jahre St.-Petri-Dom zu Schleswig 1134–1984. (= Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirhengeschichte. Reihe I, Band 33). Schleswig 1984, ISBN 3-88242-086-3, S. 105–132.
    • Janine Köster: Sterbeinschriften auf wikingerzeitlichen Runensteinen. de Gruyter. 2014, ISBN 978-3-11-034198-0.
    • Inge Skovgaard-Petersen, Aksel E. Christensen, Helge Paludan: Danmarks Historie Band 1. Kopenhagen 1977, ISBN 87-01-53441-6.
    • Marie Stoklund: Die Inschriften von Ribe, Hedeby und Schleswig und die Bedeutung der Schwedenherrschaft. In: Klaus Düwel, Edith Marold, Christiane Zimmermann (Hrsg.): Von Thorsberg nach Schleswig. (= Reallexikon der Germanischen Altertumskund. Ergänzungsband 25). de Gruyter, 2001, ISBN 3-11-016978-9, S. 111–126.
    • Marie Stoklund: Jelling § 2 Runologisches. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 16. de Gruyter, 2000, ISBN 3-11-016782-4, S. 56–58.
    Anmerkungen
    1 Bolin S. 190.
    2 Hoffmann S. 109.
    3 Hoffmann S. 109.
    4 Hoffmann S. 109.
    5 Danmarks historie S. 162.
    6 Das hält auch Hoffmann S. 109 für möglich.
    7 Danmarks historie S. 162.
    8 Danmarks historie S. 163.
    9 Hoffmann S. 109 f.

    Gorm + Königin Thyra von Dänemark, Danebod . Thyra wurde geboren in cir 880; gestorben in cir 935 in Jelling, Dänemark. [Familienblatt] [Familientafel]


  2. 5.  Königin Thyra von Dänemark, Danebod Königin Thyra von Dänemark, Danebod wurde geboren in cir 880; gestorben in cir 935 in Jelling, Dänemark.

    Anderer Ereignisse und Attribute:

    • Titel (genauer): Königin von Dänemark durch Heirat

    Notizen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Thyra_Danebod

    Thyra Danebod (* um 880; † um 935 in Jelling, Dänemark) durch Heirat Königin von Dänemark (Jütland) und Stammmutter der Jelling-Dynastie bis 1378. Der Beiname "Danebot" ist eine Zusammenziehung von „Danmarkar bot“ auf dem kleinen Jellingstein.

    Runeninschriften
    Jelling
    In Jelling, nahe Vejle an der Ostküste Jütlands, finden sich die bedeutendsten archäologischen Zeugnisse des dänischen Frühmittelalters. Sie belegen nicht nur die enge Beziehung Gorms des Alten und Harald Blauzahns zu diesem Ort (die von Gorm begründete Dynastie wird daher auch Jellinge genannt), sondern auch die Christianisierung Dänemarks. Älteste Dokumente sind die Fragmente eines Steinmonumentes in Form einer Schiffssetzung und der sogenannte Kleine Jellingstein, den Gorm zum Gedenken an seine Gattin setzen ließ und dessen Runeninschrift lautet: ««««««««König Gorm machte dies Denkmal nach Thyra, seiner Frau, Dänemarks Besserung»»»»»»»». Von den beiden großen kegelstumpfförmigen Grabhügeln enthält der nördliche eine aus Holz errichtete große Grabkammer, die nach dendrochronologischen Untersuchungen 958/959 errichtet wurde und möglicherweise zur Aufnahme von Gorms Gebeinen bestimmt war. Der südliche Hügel, ohne Grablege, dürfte in den 1070er Jahren aufgeschüttet worden sein. Zwischen den Hügeln erhebt sich eine um 1100 erbaute Steinkirche, unter der die Reste hölzerner Vorgängerbauten mit den Skelettteilen eines Mannes mittleren Alters festgestellt wurden - möglicherweise die von Gorm, der nach einer Umbettung hierher gebracht wurde. An der Südseite der Kirche ließ Harald Blauzahn einen Gedenkstein für seinen Vater und seine Mutter setzen. Dieser sogenannte große Jellingstein, ««««««««Dänemarks steinerne Taufurkunde»»»»»»»», ist mit einem Christusbild geschmückt und trägt die Inschrift: ««««««««Harald errichtete dieses Denkmal für König Gorm, seinen Vater, und seine Mutter Thyra, jener Harald, der ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte.»»»»»»»»
    Die Runensteine von Jelling gehören zum Weltkulturerbe. [1]

    Læborgstein und Bækkestein
    Es wird die Vermutung vertreten, dass es sich um die gleiche Thyra handelt, die auf dem Runenstein DR 26 (Læborgstein) genannt wird: „Rafnunga-Tofi hio runaR þæssi æft Þorwi, drotning sina.“ (Tofi, von Hrafn abstammend, machte diese Runen zur ErErinnerung an Thorwi/Thyre, seine Herrin.) Dieser Rafnunga-Tofi ist auch auf dem Runenstein DR 29 = Bækkestein 1 (ebenfalls in der Umgebung von Jelling) erwähnt, wo es heißt, dass er den Hügel der Thyra errichtet habe: „Tofi, der Nachkomme Rafns, und Funden und Gnyple, diese Drei machten den Hügel für Thorwi/Thyre.“ Da sie nicht genauer identifiziert wird, geht man davon aus, dass sie eine bekannte Person war. Daraus schließt Sawyer S. 181, dass es sich um die Thyra auf dem Jellingstein handele[2] und dass Rafnunga-Tofi den Südhügel in Jelling errichtet haben könnte.[3]
    Birgit Sawyer rekonstruiert die Verhältnisse so: Thyra heiratete nach Gorms Tod Tofi. Nach Thyras Tod errichtete Harald Blauzahn in Jelling einen Hügel zur Erinnerung an seine Mutter, um zu verschleiern, dass sie von einem anderen Geschlecht begraben worden war. Außerdem errichtete er den Stein Jelling 1, um sein mütterliches Erbe geltend zu machen. Als Harald sich dem Christentum zuwandte, „bekehrte“ er auch das Jelling-Denkmal, indem er eine Kirche errichten ließ und den Runenstein Jelling 2 aufstellte. Darauf bezeichnete er seinen Vater Gorm als König, was er auf Jelling 1 noch nicht getan hatte. Damit demonstrierte er seinen Machtanspruch. Diese Demonstrationen führt Sawyer auf einen innerfamiliären Konflikt zurück, in welchem letztendlich Sven obsiegte.[4]
    Die Identität der Thyra auf den Runensteinen DR 26 und DR 29 einerseits mit der Thyra auf den Jellingsteinen wird aber auch bestritten. Thyra sei ein damals häufiger Name gewesen.[5]

    Nachkommen
    Thyra heiratete den dänischen Häuptling und späteren König Gorm den Alten († 958). Aus der gemeinsamen Ehe gingen fünf Kinder hervor:
    • Gonnor (899−940) ∞ Ranulf de Crépon
    • Gunnhild ( um 900− um 970) ∞ König Erik I. Blutaxt von Norwegen und Northumbrien (885−954)
    • Harald Blauzahn (910−987)
    ∞ Gunhild
    ∞ Prinzessin Tore von Mecklenburg
    ∞ Prinzessin Gyrithe von Schweden
    • Knut Danaast († 940, ermordet), Herzog von Holstein
    • Torke († 985, gefallen)

    Legenden um Thyra
    Danewerk
    Nach Ausgrabungen geht der Ursprung des Danewerks auf das 7. Jahrhundert zurück. Der Ausbau des Walls durch die dänische Königin Thyra Danebod im 10. Jahrhundert ist eine Legende, die zuerst Sven Aggesen um 1185 geschaffen und die Saxo Grammaticus übernommen und umgestaltet hat. Vorher wurde sie – bis auf die Jellingsteine – nicht erwähnt. Die Roskilde-Chronik von ca. 1140 erwähnt sie nicht. Das Chronicon Lethrense (Lejre-Chronik) schreibt noch Mitte des 12. Jahrhunderts, dass das Danewerk von König Dan gegen Kaiser Augustus errichtet worden sei.[6] Das Danewerk wird erstmals in den fränkischen Reichsannalen zum Jahre 808 erwähnt. Danach kam der dänische König Gottfred nach Sliesthorp und beschloss, seine Grenzen gegen das „Sachsland“ zu befestigen. Von Thyra ist im Zusammenhang mit dem Danewerk in den alten Quellen nicht die Rede.

    Abwendung einer Hungersnot
    Eine weitere Legende findet sich in der Jomsvikings saga. Danach soll Thyra jeden Sommer Korn gesammelt haben, um eine Hungersnot abzuwenden. Diese Geschichte ist dem 41 Kapitel der Genesis nachgebildet, in dem Josef in Ägypten Korn hortet, um eine Hungersnot überstehen zu können.
    Auf einer der beiden Großtaten soll der Namenszusatz „bot/but“ beruht haben.
    Wie Lauritz Weibull nachgewiesen hat, beruhen die Geschichten um Thyra ausschließlich auf der Inschrift auf dem kleinen Jellingstein, wo sie „tanmarkar but“ bezeichnet wird, was meist mit der „Zierde Dänemarks“ übersetzt wird. Was diese Bezeichnhnung „but“ tatsächlich bedeutet, ist bis heute umstritten.[7] Adam von Bremen erwähnt sie gar nicht. Die Roskilde-Chronik (1138/1139), die die Königsreihen festhält, erwähnt Thyra nicht. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts bleibt Thyra unbekannt. Dann tritt sie bei Sven Ågesen aus dem Nichts in Erscheinung mit allerlei märchenhaften Geschichten. So soll Kaiser Otto, nachdem er Dänemark unterworfen habe, als Tyras Freier und Feind zugleich aufgetreten sein. Als Ursprung dieses Motivs wurde die Beziehung zwischen Dido und Iarbas identifiziert. Saxo Grammaticus kannte die Geschichten Ågesens und veränderte sie. Er entfernte das Motiv des freienden Kaisers und fügte stattdessen das Motiv der Verbindung mit der Geschichte des angelsächsischen Ætelfled. Die Parallelen gehen so weit, dass Thyra wie Ætelfled bei dem älteren englischen Geschichtsschreiber Henry of Huntingdon eine Tochter des englischen Königs Ætelred wird.[8] Es handelt sich nach Weibull um eine freie Dichtung, die zur Zeit Absalons entstand, als die Grenzen Dänemarks im Zentrum politischen Handelns in Dänemark standen.[9]



    Literatur
    • Janine Köster: Sterbeinschriften auf wikingerzeitlichen Runensteinen. de Gruyter 2014. ISBN 978-3-11-034198-0
    • Marie Stoklund: Jelling § 2 Runologisches. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 16. de Gruyter 2000. ISBN 3-11-016782-4. S. 56–58.
    • Lauritz Weibull: Tyre Danmarkar bot. In: Scandia 1, 1928 S. 227–243.
    • Richard Abels: Alfred the Great. War, Culture and Kingship in Anglo-Saxon England (The Medieval World). London 1998.
    • Jessica Amanda Salmonson: The Encyclopedia of Amazons. Paragon House, 1991, ISBN 1-55778-420-5.
    • Hermann Grote: Stammtafeln europäischer Herrscher- und Fürstenhäuser. Reprint Verlag, Leipzig, ISBN 3-8262-0710-6.
    • Lutz Mohr: Der "Kleine" und der "Große Jelling-Stein" in Jelling/ Jütland/ Königreich Dänemark - Symbol des Ruhmes und der Macht der Könige Gorm der Alte (um 900 - um 945) und Harald Blauzahn (um 945 - 986) zur Wikingerzeit. In: Steinkreuzforchung (SKF). Studien zur deutschen und internationalen Flurdenkmalforschung. Beiträge zur Runensteinforschung. Hrsg. von Rainer H. Schmeissner, Band Nr. 10 (Monographienreihe), Regensburg 1999, S. 62–77
    Einzelnachweise
    1 Ferdinand Dupuis-Panther: Auf den Spuren von „Hamlet“ – Dänemark: Stationen des Weltkulturerbes im nördlichen Nachbarland. Abgerufen am 5. Oktober 2009.
    2 Köster S. 181.
    3 Stoklund 2000 S. 58.
    4 Wiedergabe von Birgit und Peter Sawyer: Die Welt der Wikinger, S. 280 in Köster S. 181.
    5 Judith Lesch: Women in the Viking Age. Boydell & Brewer. 1991 / 2001. ISBN 978-0-85115-360-5. S. 52.
    6 Chronicon Lethrense: Erat igitur Jucia, quia periculis proxima, quodam lignorum fragore munita, ubi nunc est Danæwirchi, præ insidiis Augusti, primi Cesaris.
    7 N. Lund: Thyra Danabot. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 30. de Gruyter 2005. ISBN 3-11-018 385-4. S. 558 f.
    8 Weibull S. 190.
    9 Weibull S. 190.

    Kinder:
    1. 2. Harald I. von Dänemark, Blauzahn wurde geboren in cir 910 in Königreich Dänemark; gestorben am 1 Nov 987 in Jomsburg oder Jumne.
    2. Gunnhild von Dänemark wurde geboren in cir 900; gestorben in cir 970.

  3. 6.  Mistiwoj von MecklenburgMistiwoj von Mecklenburg

    Notizen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Mistiwoj

    Mistiwoj († 990/995) aus dem Geschlecht der Nakoniden war ein elbslawischer Fürst, der im 10. Jahrhundert im heutigen Mecklenburg und Ostholstein über den Stammesverband der Abodriten herrschte.
    Nach dem Tod seines Vorgängers Nakon erlangte Mistiwoj 965/967 die Herrschaft über den abodritischen Stamm, spätestens 967 auch die Samtherrschaft über den aus mehreren Teilstämmen bestehenden Stammesverband. Unter Mistiwojs christlich-monarchischer Regentschaft erfolgte der Aufbau einer Kirchenorganisation im Abodritenreich durch das um 972 eingerichtete Bistum Oldenburg in Holstein. Zu den Bischöfen sowie den Fürsten der benachbarten Sachsen und Dänen unterhielt Mistiwoj enge Beziehungen, die er durch dynastische Eheschließungen abzusichern suchte. Obwohl ihm für das Jahr 983 eine Beteiligung am Slawenaufstand und die Zerstörung Hamburgs zugeschrieben wird, verlor Mistiwoj als Folge der Erhebung große Teile seines Herrschafftsgebietes an die siegreichen Lutizen. Nachdem er wenige Monate später in Quedlinburg zunächst um die Unterstützung des baierischen Thronanwärters Heinrich II. gegen die Lutizen nachgesucht hatte, erwies er sich bis zu seinem Tod als Verbündeter des römisch-deutschen Königs Otto III.
    Erst die neuere Forschung zur Geschichte der Abodriten stuft Mistiwoj auch für die Zeit nach dem Slawenaufstand als „reichsnahen Slawenfürsten“ ein. In den Darstellungen zur ottonischen Kaiserzeit beschränkt sich die Rolle Mistiwojs dagegen nach wie vor auf die Zerstörung Hamburgs und seine Beteiligung am Slawenaufstand von 983.

    Herkunft, Familie und Name
    Mistiwoj gilt als Sohn des abodritischen Fürsten Nakon.[1] Aus der Verbindung mit einer ungenannten Frau hatte Mistiwoj einen Sohn Mistislaw.[2] Dieser erlangte um 990/995 die Samtherrscherwürde, musste aber 1018 vor einem heidnischen Aufstand iins sächsische Lüneburg fliehen. Mit der Schwester des Oldenburger Bischofs Wago hatte Mistiwoj eine Tochter Hodica, die spätere Äbtissin des Nonnenklosters auf der Mecklenburg.[3] Die Ehe mit Wagos Schwester wurde später aufgelöst. Eine weitere Tochter Tove vermählte Mistiwoj vor 987 mit dem dänischen König Harald Blauzahn.[4] Nach anderer Auffassung heiratete nicht die Tochter Tove den dänischen König, sondern Mistiwojs Witwe,[5] was aber ein Ableben Mistiwojs noch vor 987 voraussetzen würde. Bei dem durch Adam von Bremen überlieferten Mistidrag/Mizzidrog könnte es sich um einen Bruder Mistiwojs gehandelt haben.
    Der Name Mistiwoj entstammt der polabischen Sprache und könnte Mstiwoj, in der Kurzform Mstuj, gelautet haben.[6] Es handelte sich um eine Zusammensetzung aus den Wörtern m'stiti (=rächen) und woj (=Kriegsmann).[7] Als lautmalerische Wiedergabbe der polabischen Aussprache finden sich in den mittelalterlichen sächsischen Schriftquellen die Schreibweisen Mistav,[8] Mystuwoi und Mistui,[9] Mystewoi,[10] Mistiwoi,[11] und Mistwin[12]. Auf dem Runenstein von Sønder Vissing wird Mistiwoj je nach Lesart als Mistvir oder Mistives bezeichnet.[13]
    Als Taufname könnte Mistiwoj den Namen Billug[14] nach seinem möglichen Paten Hermann Billung erhalten haben.[15]

    Samtherrschaft
    Mistiwojs monarchisch-christliche Samtherrschaft über den abodritischen Stammesverband beruhte auf einer wirtschaftlich und militärisch starken Hausmacht im Gebiet des abodritischen Teilstamms und einer Durchdringung des Abodritenreiches durch eine christliche Kirchenorganisation.

    Herrschaft über Stamm und Stammesverband
    Nach dem Tod Nakons 965/967 übernahm Mistiwoj zunächst nur die Herrschaft über den Teilstamm der Abodriten im engeren Sinne. Dieser siedelte im Gebiet um das heutige Wismar und Schwerin. Bei den Abodriten beruhte die Nachfolge in den Fürstentitel auf dem Erbrecht. Alle männlichen Angehörigen der Herrscherfamilie waren Inhaber des Titels, der vom ältesten männlichen Vertreter ausgeübt wurde (Brüdergemeine). Der Fürst war aber nicht der alleinige Vertreter des politischen Willens. Zur Einsetzung des Fürsten als Samtherrscher über alle Teilstämme bedurfte es der Bestätigung durch eine Versammlung des Adels.[16] Belegt ist eine derartige Legitimationsakt für Mistiwoj nicht; in der Forschung gilt seine Samtherrschaft gleichwohl als gesichert.
    Als zentraler Herrschaftssitz und Repräsentationsort diente Mistiwoj die Mecklenburg. Auf oder nahe der Burg befand sich neben einer dem Apostel Petrus als Namenspatron geweihten Kirche ein Nonnenkloster. Es diente der Zentrierung und Festigung der Herrschaftsbildung, als Grablege und durch das Gebetsgedenken der Identitätsfindung einer Familie und Sippe sowie der Repräsentation adeliger Herrschaft.[17] Dort wurden die Töchter der Vornehmen des Abodritenlandes aufgenommen, um die einheimischen Adelsfamilien an den Ort der Herrschaftsausübung zu binden.[18] Die Mecklenburg war nicht zum dauerhaften Aufenthalt des Fürsten bestimmt. So musste sich Mistiwoj anlässlich einer Visitation des Oldenburger Bischofs Wago erst gesondert dorthin begeben.[19] Die Existenz eines Kaplans könnte auf einen Hof als Verwaltungseinrichtung und den Einzug der Schriftlichkeit hindeuten.[20] Urkunden Mistiwojs sind allerdings nicht überliefert. Weitere Burgen befanden sich in Ilow und Schwerin.
    Neben diesen Burgen bildeten gepanzerte Reiter einen zusätzlichen Rückhalt der fürstlichen Macht. Sie sollen unmittelbar dem Befehl Mistiwojs unterstanden haben.[21] Für das Jahr 965 ist eine Bewaffnung der abodritischen Krieger mit Schwert, Helm und Kettenhemd belegt.[22] Die beträchtlichen Mittel für Ausstattung und Unterhaltung dieser Streitmacht stammten neben den Erträgen aus fürstlichen Eigengut insbesondere aus Geldabgaben einer mit zwei Getreideaussaaten und bemerkenswerter Pferdezucht offenbar im Überfluss produzierenden Landwirtschaft.[23] Darüber hinaus lassen Münzfunde arabischer Dirham auf Einnahmen aus dem Fernhandel schließen, wobei es sich um Sklavenhandel gehandelt haben könnte.[24]
    Im Jahr 967 erlangte Mistiwoj mit einem Sieg über den Fürsten Selibur eine lockere Oberhoheit über den in Ostholstein siedelnden abodritischen Teilstamm der Wagrier und damit die Samtherrschaft über den abodritischen Stammesverband. Verbunden mit der Oberhoheit über die Wagrier war zudem diejenige über die erst im 11. Jahrhundert als Teilstamm in Erscheinung tretenden Polaben beidseits des Ratzeburger Sees, die für diese Zeit noch ohne eigenes Fürstenhaus den Wagriern zugerechnet werden. Im Osten erstreckte sich die Samtherrschaft auf den entlang der Warnow um Bützow und Rostock ansässigen Teilstamm der Kessiner. Auch wenn die Quellen hierzu keine Aussage treffen, gilt es in der Forschung inzwischen als gesichert, dass Mistiwiwojs Herrschaft auch den Teilstamm der Zirzipanen beidseits der oberen Peene einschloss.[25] Im Süden erstreckte sich die Samtherrschaft entlang der Elbe auf den Teilstamm der Linonen.[26] Inhaltlich beschränkte sich Mistiwojs Samtherrschaft auf die Einziehung von Tributen bei den Teilstämmen und die Führung des Verbandsaufgebotes im Krieg. Sein Herrschaftsanspruch bezog sich auf den Personenverband und nicht auf ein fest umrissenes Territorium. Allerdings gliederte sich das aus Teilstämmen zusammengesetzte Abodritenreich bereits in insgesamt 18 Burgbezirke. Den Burgbezirken standen jedoch zumindest außerhalb des abodritischen Teilstammesgebietes einheimische Adelsfamilien vor, die ihre Macht nicht von Mistiwoj verliehen bekommen hatten, sondern sich auf das Stammeserbrecht beriefen. Sie dienten allenfalls dem jeweiligen Teilstammfürsten, wobei über den Umfang dieser Dienstverpflichtung nur Vermutungen auf der Grundlage von Nachrichten aus späteren Jahrhunderten angestellt werden können.
    Das Abodritische Bistum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
    In die Zeit von Mistiwojs Regentschaft fällt mit der Gründung des Bistums Oldenburg in Holstein die Errichtung des ersten Bistums auf dem Gebiet des abodritischen Stammesverbandes.[27]
    Die Initiative zur Gründung des Bistums ging vom römisch-deutscher Kaiser Otto I. aus und war getragen vom zeitgenössischen Leitbild einer Ausbreitung des christlichen Glaubens.[28] Demgegenüber trat der Wille zu einer Eingliederung von Mistiwojs Herrschaftsgebiet in das Reich - soweit überhaupt vorhanden - völlig in den Hintergrund.[29] Gleichwohl bedeutete der Aufbau einer christlichen Kirchenorganisation auf dem Gebiet der gentilreligiösen Abodriten einen Eingriff in deren Gesellschhaftsordnung und die vorhandenen Machtstrukturen. Deshalb besteht in der Forschung Einigkeit darüber, dass ein erfolgreicher Aufbau des Bistums gegen den Willen Mistiwojs auszuschließen ist, zumal dessen Machtfülle einer dauerhaften Schaffung vovon kirchlichen Strukturen entgegengestanden hätte. Zunehmend wird sogar vertreten, Mistiwoj habe die Errichtung des Bistums nicht nur geduldet, sondern aktiv gefördert.[30] Für eine solche Förderung werden verschiedene Gründe angeführt. Zunächst war Mistiwoj wie alle Nakoniden Christ.[31] Damit dürfte er entsprechend dem zeitgenössischen Leitbild an einer Ausbreitung des christlichen Glaubens interessiert gewesen sein. Neben dieser persönlicher Überzeugung kommen aber auch weltliche Gründe für den Aufbau einer christlichen Kirchenorganisation in Betracht. Derartige Verwaltungsstrukturen eigneten sich zur Verbreitung und Durchsetzung des Herrscherwillens. Zudem könnte Mistiwoj beabsichtigt haben, mit der Missionierung des Stammes die Legitimation des paganen Priesterstandes zu beseitigen. Dieser scheint sich an der Seite eines zunehmend an Macht verlierenden Stammesadels häufig in Opposition zum Fürsten befunden zu haben.[32]
    Der einzige überlieferte Widerstand gegen die Einrichtung des Bistums kam dann auch nicht von Seiten Mistiwojs, sondern aus den Reihen der Kirche. Der Hamburg-Bremer Erzbischof Adaldag wandte sich aufgrund von ihm behaupteter „älterer Rechte“ gegen eine Unterstellung des Bistums Oldenburg als Suffragan des Erzbistums Magdeburg.[33] Ursprünglich hatte der Kaiser Oldenburg nämlich wie alle anderen Missionsbistümer auf slawischem Gebiet im Erzbistum Magdeburg bündeln wollen. Schließlich musste Otto I. jedoch einwilligen und unterstellte das abodritische Bistum mit seiner Gründung dem Erzbistum Hamburg-Bremen.
    Warum die Wahl des Bischofssitzes nicht auf die Mecklenburg als zentralen Herrschaftssitz Mistiwojs, sondern auf die wagrische Fürstenburg Starigard/Oldenburg fiel, ergibt sich aus den Quellen nicht. Zwar hatte auch das wagrische Fürstenhaus bereits vor der Bistumsgründung den christlichen Glauben angenommen. Grabungen auf der Oldenburg förderten christliche Körpergräber und Reste von Kirchengebäuden aus den 950er Jahren zu Tage.[34] Die Mission des wagrischen Fürstenhauses war vermutlich durch den Schleswiger Bischof Marco auf Betreiben des Erzbistums Hamburg erfolgt.[35] Die Bekehrung des ersten nakonidischen Samtherrschers reichte jedoch in das das Jahr 931 zurück.[36] Zudem hielten große Teile der abodritischen Bevölkerung und der niedere Adel in beiden Teilstammesgebieten gleichermaßen am paganen Stammesglauben fest, so dass selbst an den Fürstenhöfen christliche Religion und paganer Stammesglaube nebeneinander ausgeübt wurden.
    Erich Hoffmann hält es für denkbar, dass Oldenburg wegen seiner Lage „am Rande“ des Abodritenreiches den Vorzug vor der Mecklenburg erhielt, damit der Bischofssitz zugleich als militärischer Vorposten des Reiches im feindlichen Abodritengebiet ddienen könne.[37] Jürgen Petersohn hingegen meint, Mistiwoj habe „eigenständige Vorstellungen über die kirchliche Organisation und Zuordnung des von ihm beherrschten Gebietes“ gehabt und den Bischofssitz deshalb zunächst lieber auf der Oldenburg gesehen.[38]
    Der Aufbau der Kirchenorganisation machte anfangs gute Fortschritte. Widerstand der Bevölkerung aus religiösen oder kulturellen Gründen ist nicht überliefert. Neben mehreren Männer- und Frauenklöstern entstand ein Pfarrkirchensystem, das sich an die abodritischen Verwaltungsbezirke mit ihren Adelsburgen anlehnte. In 15 von 18 dieser Verwaltungsbezirke sollen christliche Kirchen existiert haben. Als Ausstattung hatten Kirchen und Klöster in einer ersten Phase das Recht erhalten, von den Bauern innerhalb des Verwaltungsbezirkes Abgaben zu erheben, die nach dem Ertrag bemessen wurden. Diese Praxis scheint bald Anlass für Streitigkeiten gewesen zu sein, weil sie zu einer zusätzlichen Abgabenlast der Bauern führte. Mistiwoj vereinbarte daraufhin mit dem Oldenburger Bischof Wago, dass die Abgaben durch die Übertragung von Ländereien und Dörfern an die Kirchen abgelöst wurden, wobei unklar bleibt, ob diese Vereinbarung Allgemeingültigkeit haben sollte oder nur für ausgewählte Höfe galt. Auch diese Regelung scheint jedoch keine allgemeine Anerkennung gefunden zu haben, zumal sie das Vermögen des niederen Adels beschnitten haben dürfte. Jedenfalls kam es anschließend häufig zu Überfällen auf Kirchenbesitz.

    Sächsische Beziehungen
    Mistiwoj unterhielt enge Beziehungen zum sächsischen Adelsgeschlecht der Billunger.[39] Diese stellten während der Regentschaft Mistiwojs mit Hermann Billung und seinem Sohn Bernhard I. die herausragenden Führungspersönlichkeiten im nordöstlichen Sachsen, wobei zumindest Bernhard I. das Amt eines Herzoges in Sachsen ausübte. Zur konkreten Ausgestaltung der sächsisch-abodritischen Beziehungen berichten die Geschichtsschreiber Widukind von Corvey und Thietmar von Merseburg aus sächsischer Perspektive übereinstimmend, Mistiwoj sei den Billungern als Vasall zu Tributzahlungen und Heeresfolge verpflichtet gewesen. Mit der Belagerung der Burg Starigard 967, der Schlacht am Danewerk 974 und dem Italienfeldzug 982 lassen sich drei gemeinsame militärische Unternehmungen ausmachen.

    Belagerung Starigards
    Im Jahr 967 belagerten Mistiwoj und Hermann Billung mit ihren Aufgeboten gemeinsam eine auf slawischem Gebiet gelegene Burg.[40] Dabei handelte es sich sehr wahrscheinlich um die wagrische Hauptburg Starigard. Die Initiative zur Belagerung Starigards dürfte dabei von Mistiwoj ausgegangen sein. Dieser hatte zwar im Abodritenland ungehindert die Herrschaft übernehmen können, sah sich aber in Wagrien mit einem Aufstand des einheimischen Adels konfrontiert. Dort versuchten die Wagrier unter ihrem Fürsten Selibur die Gunst der Stunde zu nutzen und sich aus dem abodritischen Stammesverband zu lösen. Zur Unterbindung der separatistischen Tendenzen marschierte Mistiwoj mit einem Heer vor Seliburs Burg. Nachdem Mistiwoj den Belagerungngsring geschlossen hatte, traf auch Hermann Billung mit seinen Truppen dort ein und schloss sich der Belagerung auf Seiten Mistiwojs an,[41] zumal sich Selibur mit Hermanns „Erzfeind“ Wichmann II. verbündet hatte. Während Wichmann II. mit seinen engsten Vertrauten die Flucht aus der Burg gelang, musste sich der auf eine Belagerung völlig unvorbereitete Selibur bereits nach kurzer Zeit ergeben. Die Burg wurde geplündert und Selibur entmachtet. Sein von Hermann aus Sachsen herbeigeschaffter Sohn Sederich übernahm die Herrschaft über Wagrien, erkannte aber die Oberhoheit Mistiwojs an. Hermann bestrafte die in der Burg verbliebenen sächsischen Gefährten Wichmanns II., ohne dass etwas über Sanktionen gegen die Wagrier berichtet wird.
    In Widukinds Sachsengeschichte richtete sich der Aufstand der Wagrier demgegenüber nicht gegen die Oberherrschaft Mistiwojs, sondern gegen diejenige Hermann Billungs. Dieser hätte zuvor als oberster Richter einen Streit zwischen Mistiwoj und Selibur zu Ungunsten Seliburs entschieden, woraufhin Selibur sich gegen Hermann Billung aufgelehnt habe. Diese Perspektive Widukinds gilt vielen Forschern jedoch als schief, da die Belagerung der Burg Starigard selbst nach Widukinds eigenen Ausführungen von Mistiwoj begonnen wurde. Zudem habe es sich bei der Auseinandersetzung der beiden slawischen Fürsten vorrangig um eine innerabodritische Angelegenheit gehandelt.[42]

    Schlacht am Danewerk
    Im Herbst 974 unternahm Kaiser Otto II. einen Feldzug gegen den dänischen Herrscher Harald Blauzahn, der im Sommer in Nordalbingien eingefallen und das Land mit Feuer und Schwert verwüstet hatte.[43] Gemeinsam mit dem sächsischen Herzog Bernhard I. und Albert von Stade brach der Kaiser daraufhin an der Spitze eines Reichsheeres von Frohse nach Norden auf. Dem Reichsheer gehörte neben Aufgeboten der Sachsen, Franken und Friesen auch eine slawische Abteilung an. Über ihre Herkunft und ddie Person ihres Anführers geben weder die sächsischen noch die dänischen Quellen Auskunft. Dennoch wird in der Forschung angenommen, dass es sich bei den Slawen um Abodriten unter Führung Mistiwojs handelte.[44] Deren Siedlungsgebiet grenzte in Wagrien sowohl an das der Dänen als auch an das der Nordalbingier. Zudem schuldete Mistiwoj dem sächsischen Herzog Bernhard I. Heeresfolge. Schließlich kam es auf Seiten des Reiches zu einem kriegsentscheidenden Einsatz von Schiffen: Nachdem ddas Reichsheer den von dem norwegischen Håkon Jarl verteidigten dänischen Schutzwall, das Danewerk, zunächst erfolglos berannt hatte, setzten die Angreifer nach einem Plan Bernhards I. auf Schiffen über die Schlei und umgingen auf diese Weise die dänischen Verteidigungslinien. Da das Reichsheer auf dem Landweg keine Schiffe mit sich führte und die seekriegserfahrenen Friesen ihre Schiffe an der Nordseeküste liegen hatten, wäre ein Einsatz der abodritischen Flotte zumindest naheliegend.

    Italienfeldzug
    Im Jahr 981 begann der ostfränkisch-deutsche König Otto II. in Italien mit seinen Vorbereitungen für einen Angriff gegen die Sarazenen, die unter Führung ihres Emirs Abu al-Qasim von Sizilien aus auf das süditalienische Festland vorgedrungen wararen. Für diesen Feldzug forderte er im nordalpinen Reichsteil zusätzliche 2090 Panzerreiter zur Unterstützung an. Obwohl sächsische Adlige in dem schriftlich überlieferten Einberufungsbefehl nicht erwähnt werden, sollte offenbar auch Bernhard I. ein Aufgebot entsenden. Er scheint sich im Zuge der Aushebungen an Mistiwoj gewandt zu haben. Möglicherweise ging Berhards I. Verlangen über die geschuldete Heeresfolge hinaus, sei es aufgrund des Umfanges oder des Einsatzes in Süditalien. Denenn Mistiwoj forderte als Gegenleistung für die Teilnahme seiner Krieger die Vermählung seines Sohnes Mistislaw mit einer Nichte Bernhards I. und damit eine dynastische Verbindung der beiden Fürstenhäuser. Bernhard I. versprach eine Eheschließung nach der Rückkehr aus Italien, woraufhin Mistiwoj angeblich eintausend Reiter unter der Führung seines Sohnes Mistislaw stellte.[45] Mögen die Größenverhältnisse auch maßlos übertrieben sein, so wird es sich doch um eine für mittelalterliche VVerhältnisse bemerkenswerte Abordnung abodritischer Krieger gehandelt haben, die an der Seite Bernhards I. über die Alpen nach Norditalien zog.[46] Während Bernhard I. aufgrund eines Einfalls der Dänen schon frühzeitig in den Norden zurückkehren musste,[47] fanden fast alle Abodriten in Italien den Tod. Auch wenn über ihr konkretes Schicksal nichts Genaues bekannt ist, liegt eine Teilnahme an der Schlacht am Kap Colonna nahe, in der das kaiserliche Heer vernichtend geschlagen wurde.[48]
    Mistiwojs Sohn Mistislaw kehrte mit den wenigen Überlebenden nach Mecklenburg zurück. Doch als er die Erfüllung des Eheversprechens einforderte wurde ihm die Braut durch den Grafen Dietrich von Haldensleben mit den Worten verwehrt, man dürfe die Blutsverwandte eines Herzogs nicht einem Hunde geben. Offenbar war Bernhard I. nicht zugegen, als diese Beleidigung ausgesprochen wurde, denn Helmold zufolge entsandte er zu einem späteren Zeitpunkt Boten zu Mistiwoj mit der Nachricht, er werde das gegebene Versprechen einlösen. Mistiwoj lehnte jedoch ab und soll erklärt haben, der Hund werde kräftig beißen wenn er groß sei. Dietrich von Haldensleben Beweggründe für seinen Widerstand gegen eine dynastische Verbindung von Billungern uund Nakoniden waren wohl am ehesten machtpolitischer Natur. Sowohl mit Bernhard I. als auch mit Mistiwoj konkurrierte er als Markgraf der Nordmark um Einfluss in den slawischen Gebieten. Namentlich die Oberherrschaft über die sowohl den Abodriten als auch der Nordmark benachbarten Stammesgebiete der Zirzipanen, die traditionell dem abodritischen Herrschaftsanspruch unterlagen und deren Siedlungsgebiet auch zum Bistum Oldenburg gehörte, könnten zwischen Mistiwoj und den Billungern einerseits und Markgraf Dietrich von Haldensleben andererseits umstritten gewesen sein.[49]
    Demgegenüber sind ethnische Vorbehalte Dietrich von Haldenslebens gegen eine Ehe zwischen dem slawischen Fürstensohn und der sächsischen Prinzessin eher auszuschließen. Derartige Verbindungen waren nichts Ungewöhnliches. Dietrich selbst hatte 978 eine Vermählung seiner ältesten Tochter Oda mit dem polnischen Fürsten Mieszko I. gefördert, und seine weitere Tochter Matilde hatte den hevellischen Fürsten Pribislaw geehelicht. Mistiwoj war mit der Schwester des Oldenburger Bischofs Wago verheiratet, und eine Verwandte des sächsischen Herzogs Bernhard I., Weldrud, war dem wagrischen Fürsten Sederich zur Frau gegeben worden.

    Niedergang
    Mistiwojs politischer Niedergang begann mit dem Slawenaufstand von 983. Im Osten fielen die Teilstämme der Zirzipanen und Kessiner nacheinander von ihm ab und schlossen sich den im Slawenaufstand siegreichen Lutizen an.[50] Im Westen setzte einine Rückbesinnung der Wagrier auf ihren paganen Stammesglauben ein. Als Reaktion auf die Bedrohung seiner christlich-monarchischen Herrschaft durch die heidnisch-bündischen Lutizen suchte Mistiwoj Anlehnung an den römisch-deutschen Kaiser und das Ostfrankenreich.[51] Nachdem das Bistum Oldenburg im Jahre 990 in einem Aufstand der Wagrier untergegangen war,[52] wurde der Bischofssitz 992 an Mistiwojs zentralen Herrschaftssitz auf der Mecklenburg verlegt. Sollte Mistiwoj im Jahre 995 noch gelebt haben, galt der demonstrative Besuch des römisch-deutschen Kaisers Otto III. auf der Mecklenburg Anfang September 995 einer Stärkung von Mistiwojs labiler politischen Stellung.

    Slawenaufstand von 983
    Der Slawenaufstand von 983 stellte eine Erhebung der im Lutizenbund zusammengeschlossenen slawischen Stämme gegen die Tributherrschaft des Markgrafen Dietrich von Haldensleben dar. Die Lutizen zerstörten am 29. Juni 983 zunächst den Bischofssitz in Havelberg und eroberten drei Tage später mit der Brandenburg auch den Sitz des Markgrafen. Damit wurde die Reichsherrschaft östlich der Elbe auf Jahrzehnte zerstört.
    Mistiwoj soll sich nach wohl herrschender Auffassung an dem Aufstand auf Seiten der Lutizen beteiligt haben, indem er Nordalbingien verwüstete, Hamburg einäscherte, das Bistum Oldenburg vernichtete und schließlich weit südlich seines Herrschaftsgebietes in der Altmark das Benediktinerkloster in Kalbe (Milde) zerstörte.[53] Als Beleg für eine Teilnahme Mistiwojs am Aufstand der Lutizen wird eine 200 Jahre nach den Ereignissen verfasste Passage aus der Slawenchronik des Chronisten Helmold von Bosau angeführt.[54] Danach suchte Mistiwoj unmittelbar vor dem Aufstand das Stammesheiligtum der Lutizen in Rethra auf, um den dort versammelten Stämmen von der schweren Beleidigung durch Dietrich von Haldensleben zu berichten. Auf Verlangen der Lutizen habe er den Sachsen abgeschworen. Daran anschließend schildert Helmold Mistiwojs Vernichtungsfeldzug. Demgegenüber sind in der Forschung zur Geschichte der Abodriten stets Bedenken gegen eine Beteiligung Mistiwojs am Slawenaufstand 983 geäußert worden, da eine solche sich nicht mit seiner Politik vor und nach dem Aufstand in Einklang bringen lässt.[55]

    Zerstörung Hamburgs
    Allerdings hatte bereits der Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg rund 40 Jahre nach dem Slawenaufstand im Zusammenhang mit den slawischen Angriffen auf Havelberg und Brandenburg festgehalten, Mistiwoj habe den Bischofssitz in Hamburg niedergebrannt und verwüstet.[56] Es bestehen jedoch Zweifel, ob der Überfall auf Hamburg mit dem Lutizenaufstand des Jahres 983 zeitlich zusammenfiel. Die Darstellung von Mistiwojs Angriff auf Hamburg im Kontext des Slawenaufstandes muss nämlich nicht zwingend zwei gleichzeitige Ereignisse beschreiben, zumal Thietmar keine Darstellung des Slawenaufstandes beabsichtigte. Ihm ging es vielmehr um eine Aufzählung all derjenigen Angriffe gegen das Christentum, die auf die seiner Meinung nach rechtswidrige Auflösung des Bistums Merseburg im Jahr 981 folgten.[57] Zudem soll Mistiwoj nach einer späteren Anmerkung Thietmars ob seiner Taten anschließend wahnsinnig geworden sein, so dass er an einer Kette gehalten werden musste. Im Jahr 9884 nahm Mistiwoj aber nach Thietmars Bericht am Osterhoftag Heinrich des Zänkers in Quedlinburg teil - und das offenbar gut bei Sinnen. Und in Hamburg setzte die bischöfliche Urkundstätigkeit erst um das Jahr 1014 aus, was bei einem wüst gelegten Bischofssitz früher zu erwarten gewesen wäre. In keiner der zeitgenössischen Annalen und Chroniken ist darüber hinaus ein slawischer Überfall auf Hamburg für das Jahr 983 vermerkt. Demgegenüber berichtet Adam von Bremen in seiner Hamburger Kirchengeschichte eindeutig von einer Verwüstung Nordalbingiens und einer Zerstörung Hamburgs durch die Abodriten, die nach dem Jahr 983 stattgefunden hat, möglicherweise sogar erst unter Mistiwojs Sohn Mistislaw im Jahr 1012.[58]

    Überfall auf Kalbe
    Ebenfalls umstritten ist der Überfall Mistiwojs auf das dem Heiligen Laurentius geweihte Kloster Kalbe. Thietmar von Merseburg führt dazu lediglich aus, dass es einen Überfall auf das Kloster gab, aber nicht wer es überfallen hat. Wesentlich deutlicher werden die Magdeburger Erzbischofschronik aus dem 11. Jahrhundert und die Magdeburger Annalen aus dem 12. Jahrhundert. Beide benennen ausdrücklich Mistiwoj und die Abodriten als Angreifer. Da jedoch nicht auszuschließen ist, dass die Verfasser Thietmars Text als Vorlage benutzt und nach eigenen Vorstellungen bearbeitet haben, wird üblicher Weise nur Thietmars Text als Beweis herangezogen. Darin klagt der dem Wahnsinn verfallene Mistiwoj, der Heilige Laurentius würde ihn verbrennen, was als Bestrafung durch den Heiligen für die Zerstörung des Laurentiusklosters in Kalbe interpretiert worden ist. Dass Laurentius zugleich auch der Schutzpatron des aufgelösten Bistums Merseburg war und Mistiwoj sich in unbekannter Weise ggegen dieses versündigt haben könnte bleibt dabei unerwogen. Eine andere Verbindung zwischen Mistiwoj und dem Kloster Kalbe wird über Oda von Haldensleben hergestellt. Die Tochter des Markgrafen Dietrich von Haldensleben war nämlich bis zu ihrer Eheschließung mit Miesko I. im Jahre 978 Nonne im Kloster Kalbe. Damit vermochte eine Zerstörung des Klosters fünf Jahre nach Odas Weggang Dietrich von Haldensleben aber nicht mehr zu treffen und scheidet deshalb als Ziel einer Vergeltungsmaßnahme Mistiwojs für die schwere Beleidigung seines Sohnes durch Dietrich von Haldensleben eher aus.

    Folgen
    Die heidnisch-bündische „Staatsidee“ der Lutizen übte auf die abodritischen Teilstämme eine große Anziehungskraft aus, die den Fortbestand des Abodritenreiches und damit Mistiwojs christlich-monarchische Herrschaft bedrohte.
    Im Osten verlor Mistiwoj zuerst die Herrschaft über die den Lutizen unmittelbar benachbarten Zirzipanen, die sich dem siegreichen Lutizenbund anschlossen. Auch im Gebiet der Kessiner muss Mistiwojs Macht zusehends erodiert sein, denn zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 983 spalteten sich auch diese vom Stammesverband ab und zählten von da an für nahezu 100 Jahre zu den lutizischen Kernstämmen.[59]
    Im Westen setzte nach 983 eine Rückbesinnung der Wagrier auf den paganen Stammesglauben ein. Dieser Prozess dürfte mit einem schleichenden Verlust von Mistiwojs Oberherrschaft über den wagrischen Teilstamm einhergegangen sein.[60] Möglicherweise stiftete Mistiwoj in diesem Zusammenhang die Ehe zwischen seiner Tochter Tove und dem dänischen König Harald Blauzahn, um die traditionell guten Beziehungen zu den Dänen zu beleben und ein neues Bündnis gegen den wagrischen Teilstamm zu schmieden und diesen zwischen Dänen, Abodriten und Sachsen zu isolieren.[61]
    Eine zusätzliche Verschärfung der Lage dürfte sich aus dem Verlust des abodritischen Italienaufgebotes und dem damit einhergehenden Verlust an militärischer Stärke ergeben haben, einmal ganz abgesehen von den sozialen Spannungen, die sich in der Bevölkerung durch den Tod einer für mittelalterliche Verhältnisse großen Zahl von Kriegern ergeben haben wird.

    Anlehnung an das Reich
    In dieser Krise suchte Mistiwoj einen starken Verbündeten. Er erschien deshalb im Frühjahr 984 auf dem Osterhoftag des Kronbewerbers Heinrich der Zänker im sächsischen Quedlinburg.[62] Dort erkannte Mistiwoj dessen Anspruch auf die Königswürde an und überging damit den minderjährigen Thronfolger Otto III. Diese Parteinahme richtete sich allerdings nicht gegen Otto III., sondern war motiviert von der Hoffnung auf militärischen Beistand durch einen politisch handlungsfähigen und mächtigen Herrscher gegen die lutizische Bedrohung.[63] Da außer Mistiwoj auch die beiden anderen christlich-monarchischen Slawenfürsten, der polnische Herzog Mieszko I. und der böhmische Herrscher Boleslav II., auf dem Hoftag Heinrich als zukünftigem KKönig eidlich ihre Unterstützung zusagten wird vermutet, dass Heinrich mit diesen drei westslawischen Fürsten ein Bündnis gegen die Lutizen vereinbarte, zumal sich zumindest Mieszko I. durch den Lutizenaufstand in einer vergleichbaren Lage befand wie Mistiwoj.[64]
    Während jedoch Mieszko I.und Boleslav II. durch ihre Anwesenheit auf dem Osterhoftag des Kindkönigs Otto III. in Quedlinburg 996 öffentlich ihre Treue zum rechtmäßigen König zur Schau stellten, ist eine Anwesenheit Mistiwojs dort nicht belegt. Anders als für Mieszko I. fehlen auch Nachrichten über eine Teilnahme Mistiwojs an den Feldzügen der Sachsen gegen die Lutizen in den Jahren 985, 986 und 987. Dennoch geht die neuere Forschung davon aus, dass Mistiwoj auch weiterhin zu den reichshsnahen Slawenfürsten gehörte. Anders sei die im Jahre 992 erfolgte Verlegung des abodritischen Bischofssitzes von Oldenburg auf die Mecklenburg nicht zu erklären. Der Bischofssitz auf der Oldenburg war im Jahre 990 verloren gegangen. Die Wagrier hatten im Zuge einer religiös motivierten Erhebung die Johanneskirche zerstört, zahlreiche Geistliche unter grausamer Folter getötet und den amtierenden Bischof Folkward vertrieben. Brach die christlichen Kirchenorganisation in Wagrien damit vollständig zusammen, so blieb sie im Abodritenland offenbar unangetastet. Das Erzbistum Hamburg-Bremen hielt an seinem Suffraganbistum fest und ordinierte mit Reinbert einen Titularbischof für das Bistum Oldenburg. Im Rahmen eines kirchenrechtlichen Provisoriums nahm dieser auf Vermittlung des Grafen Lothar III. von Walbeck seinen Diözesansitz zumindest vorübergehend auf der Mecklenburg ein. Diese Verlegung soll von Mistiwoj gezielt unterstützt worden zu sein, der sich davon die Schaffung eines von der Reichskirche unabhängigeren, eigenen Sakralraumes versprochen habe.
    Im Spätsommer des Jahres 995 zog der römisch-deutsche König Otto III. mit einem großen Heer durch das Abodritenland über die Mecklenburg in das Stammesgebiet der Lutizen. Der Aufenthalt des Königs auf der Mecklenburg diente zur demonstrativen Stärkung des christlichen Nakonidenherrschers gegenüber inneren und äußeren Widerständen und war der erste Besuch des Königs in einer Residenz eines slawischen Fürsten. Ob es sich bei diesem Fürsten noch um Mistiwoj handelte oder ob der Freundschaftsbesuch des Königs vielleicht sogar anlässlich der Einsetzung Mistislaws zum Nachfolger seines Vaters Mistiwoj erfolgte ist nicht aufklärbar. Das Jahr von Mistiwojs Tod ist nicht überliefert. Denn Urkunden des abodritischen Bistums dürften, soweit sie den Aufstand der Wagrier 990 überdauerten, spätestens anlässlich der Vertreibung Mistislaws durch die Lutizen im Jahr 1018 zerstört worden sein.

    Nachwirkung
    Historische Authentizität erlangt Mistiwoj bereits in der ab 967 entstanden und damit zeitgenössischen Sachsengeschichte des Benediktinermönches Widukind von Corvey.[65] Widukind beschreibt Mistiwoj eher beiläufig als auffällig eigenständigen Vasallen Hermann Billungs. Für Thietmar von Merseburg, der Mistiwoj in seiner zwischen 1012 und 1018 verfassten Chronik zum Jahr 984 neben Miesko von Polen und Boleslaw II. von Böhmen aus einer Reihe ungenannter Slawenfürsten hervorhebt, war Mistiiwoj einer der bedeutendsten christlichen Slawenfürsten seiner Zeit. Demgegenüber begegnet Mistiwoj in der um 1070 entstanden Hamburger Kirchengeschichte Adam von Bremens vorrangig als Apostat und Friedensstörer. Dabei verwechselt Adam von Bremeen streckenweise Mistiwoj und dessen Sohn Mistislaw. Dieser Irrtum setzt sich bei Helmold von Bosau fort, dessen Slawengeschichte in großen Teilen auf den Nachrichten Adam von Bremens beruht. Helmold zeichnet 200 Jahre nach Mistiwojs Tod ein sehr differenziertes Bild von Mistiwoj, der sich bei ihm schließlich von den Billungern und dem Christentum abwendet. Gänzlich zum Feind der Sachsen und des Christentums wird Mistiwoj in etwa zeitgleich in der Chronik des Annalista Saxo.[66]



    Quellen
    • Paul Hirsch, Hans-Eberhard Lohmann (Hrsg.): Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres. Hannover 1935 (MGH Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi, Band 60). Digitalisat
    • Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung. Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon. Hrsg. von Robert Holtzmann. Berlin 1935. (Monumenta Germaniae Historica. Scriptores. 6, Scriptores rerum Germanicaru, Nova Series; 9) Digitalisat
    • Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. In: Werner Trillmich, Rudolf Buchner (Hrsg.): Quellen des 9. und 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. = Fontes saeculorum noni et undecimi historriam ecclesiae Hammaburgensis necnon imperii illustrantes (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 11). 7., gegenüber der 6. um einen Nachtrag von Volker Scior erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-00602-X, S. 137–499.
    • Helmold: Slawenchronik = Helmoldi Presbyteri Bozoviensis Chronica Slavorum (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 19, ISSN 0067-0650). Neu übertragen und erläutert von Heiz Stoob. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1963 (2., verbesserte Auflage. ebenda 1973, ISBN 3-534-00175-3).
    Literatur
    • Bernhard Friedmann: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts (= Osteuropastudien des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostes. Bd. 197). Duncker & Humblot, Berlin 1986, ISBN 3-428-05886-0.
    • Jürgen Petersohn: König Otto III. und die Slawen an Ostsee, Oder und Elbe um das Jahr 995. Mecklenburgzug – Slavnikidenmassaker – Meißenprivileg. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 37, 2003, ISSN 0071-9706, S. 99–139, Digitalisat (PDF; 2,8 MB).
    Weblinks
    • Literatur über Mistiwoj in der Landesbibliographie MV


    Anmerkungen unter obenstehendem Link..

    Kinder:
    1. 3. Tove von Mecklenburg gestorben in nach 980.